Leute, passt auf Eure Handies auf!

Dreiste Daten-Diebe verlangen Lösegeld für analog erbeutetes Material – eine Masche, mit der sich anscheinend der eine oder andere Euro verdienen lässt. Das Ziel der Angriffe sind häufig Geschäftsleute, die im ICE unachtsam sind. Ihnen stehlen Banden Handys und Laptops um anschließend von ihnen oder ihren Firmen aberwitzige Lösegeldsummen zu kassieren.

ICE (Bild: Deutsche Bahn)
ICE (Bild: Deutsche Bahn)

Ein prominentes Opfer ist Dieter Kempf. Den Bitkom- und Datev-Chef erwischte es am 19. Mai auf dem Weg zum 14. IT-Sicherheitskongress in Bonn. Kempf ist beim Zwischenstopp seines ICE in Würzburg derart in seinen Laptop vertieft, dass es einem der Diebe gelingt eines seiner beiden Smartphones, ein Blackberry Z30, zu erbeuten. Sein Glück im Unglück: Ein neunstelliger Zugriffscode und ein achtstelliger Code zum Zugang im Firmennetz lassen sich kaum knacken. Trotzdem sagt er der „WirtschaftsWoche“: „Ich ärgere mich am meisten über mich selbst. In Zürich ist mir das schon mal passiert.“

In den vergangenen Wochen hat Dieter Kempf mehrfach in Managerkreisen über sein unangenehmes Erlebnis gesprochen. Des öfteren hat er dabei – unter vier Augen – erfahren, dass Kollegen schon das gleiche passiert ist, denn eine neue Sorte Cyberkrimineller hat es ganz offensichtlich auf Firmendaten abgesehen.

Unüblich ist, dass die Daten-Diebe die Daten ihrer Opfer nicht missbräuchlich einsetzen wollen, vielmehr sind sie Druckmittel um von ihren Besitzern Lösegeld zu erpressen, denn das bringt mehr Geld. Und das ist leicht verdient: „Wenn ich sehe, wie viele Laptops während der Kaffeepausen bei großen Konferenzen unbeaufsichtigt in Hotelsälen zurückgelassen werden, dann handeln viele grob fahrlässig“, sagt der Karlsruher Strafverteidiger Matthias Klein der „WirtschaftsWoche“.

„Wir beobachten einen Anstieg von Erpressungsfällen“, sagt auch Alexander Geschonneck, Leiter Forensic bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Wer mit sensiblen Daten agiert sollte deswegen alle Augen und Ohren offen halten, vor allem auf Reisen. Denn auch hier gilt: Gelegenheit macht Diebe.