EU-Beschluss in „geheimer Runde“: Roaming wird doch nicht abgeschafft

Wer im Ausland mit dem Handy telefoniert oder im Internet surft, tappt schnell in die Roaming-Kostenfalle. Eigentlich wollte die EU diese Gebühren bis Juli 2016 gesetzlich abschaffen. Doch der Ministerrat entschied sich jetzt in „geheimer Runde“ gegen den Entschluss.

Roaming kann teuer sein (Bild: dpa/Daniel Naupold)
Roaming kann teuer sein (Bild: dpa/Daniel Naupold)

Die Roaming-Gebühren, die EU-Kommission und EU-Parlament ursprünglich per Gesetz bis Juli 2016 ersatzlos abschaffen wollten, sollen auf Jahre weiter bestehen bleiben. Das berichtet die „Bild“ am Freitag unter Berufung auf ein Geheimpapier aus dem Europäischen Rat vom 27. April 2015.

Demnach verständigte sich der zuständige EU-Ministerrat darauf,  ab 1. Januar 2016 lediglich bis zu  knapp definierten Obergrenzen sogenannte „Roam like at home“-Tarife für EU-Bürger einzuführen, die ihr Handy oder Smartphone im EU-Ausland nutzen. Der „Bild“ zufolge ist demnach konkret geplant, bei Anrufen aus dem Ausland nur 50 Minuten pro Jahr zu den jeweiligen Inlandskonditionen zu gestatten. Nach Überschreiten dieses Grenzwertes sollen weiterhin Roaming-Gebühren fällig werden (aktuell: 0,19 Euro pro Minute für Anrufe sowie 0,05 Euro pro Minute für angenommene Anrufe).

„Das ist ein Schande“

Ebenso ist vorgesehen, dass EU-Bürger im Ausland nur 50 SMS pro Jahr zu den jeweiligen Inlandsbedingungen abschicken können. Ab der 51. SMS werden wiederum Roaming-Gebühren fällig (aktuell 0,06 Euro pro SMS). Was verbrauchte Datenvolumina bei der Nutzung des mobilen Internets betrifft, sehen die Minister eine Obergrenze von nur 100 MB pro Jahr vor. Wer diesen Wert auf Auslandsreisen überschreitet, muss ebenfalls weiter Aufschläge zahlen (aktuell 0,20 Euro pro MB verbrauchtes Datenvolumen).

Gegenüber der „Bild“ sagte die EU-Parlamentarierin und frühere EU-Kommissarin Viviane Reding: „Das ist eine Schande. Eigentlich müsste es einen Volksaufstand geben! In geheimen Brüsseler Ministerialrunden wird beschlossen, den Leuten weiter das Geld aus der Tasche zu ziehen.“